Spatenstich für den TVO

Spatenstiche sind in der Regel Veranstaltungen, zu denen Bauherren und Investoren anreisen – aber keine Menschenmassen. Es sei denn, es handelt sich um ein Bauvorhaben, das besonderen Stellenwert für viele hat. Wie der Neubau der Turnhalle des TVO und des Rewe-Marktes in Oberstedten. Zum Spatenstich versammelte sich beinahe der halbe Ortsteil und bewies damit, wie wichtig die Sache ist.

Oberstedten. Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD) war von den Socken: „Ich glaube, ich habe bei einem Spatenstich noch nie so viele Gäste gesehen.“ In der Tat: Beim Spatenstich zum Bau der neuen Halle des Turnvereins Oberstedten (TVO) hinter der Feuerwache sowie des Neubaus des Rewe-Marktes auf dem Areal tummelte sich gestern eine ordentliche Gästeschar. Gekommen waren Politiker und Mitglieder des TVO, natürlich, aber auch zahlreiche Vertreter anderer Sportvereine, die damit signalisierten, dass sie das Projekt am Ortseingang Oberstedtens unterstützen.

Das wiederum ist Kämmerer Thorsten Schorr (CDU) wichtig. Denn dass die Stadt einen Verein mit 900 000 Euro unterstützt, ist, wie er betont, „außergewöhnlich“. Übersetzt heißt das: Wenig Chancen, dass andere Vereine auf ähnliche Summen hoffen dürfen. Ist aber auch verständlich, denn Oberursel hat dieses Geld bekanntlich nicht wirklich in die Hand genommen, sondern nur eine Art Aktivtausch vorgenommen. „Wir haben die Erlöse aus dem städtischen Grundstück zur Verfügung gestellt, und das war deswegen möglich, weil es eben an dieser Stelle ging.“ Bei besagtem Grundstück handelt es sich um das jetzige Außengelände des Turnvereins, auf dem die Gesellschaft für Handel und Immobilien (GHI) einen Supermarkt für den Rewe-Konzern baut, der den Markt in der Mittelstedter Straße zugunsten des Neubaus aufgibt. Rewe wird die Immobilie langfristig anmieten, nach Angaben von GHI-Geschäftsführer Stefan Kraus zunächst auf 15 Jahre.

Kraus geht von neun Monaten Bauzeit für den nach neuesten ökologischen Standards errichteten und über 1900 Quadratmeter Verkaufsfläche verfügenden Supermarkt aus. 130 Parkplätze sollen zudem entstehen, jeder 2,80 Meter breit, „damit auch SUVs Platz haben“, wie Kraus lachend sagte. Zudem kümmert sich der Investor auch um die Errichtung „einer neuen Baumkulisse“ entlang der Straße und einen neuen Radweg. Rund zehn Millionen Euro veranschlagt Kraus insgesamt für das Projekt.

Ganz so hoch sind die Investitionskosten für den TVO zwar nicht, der Verein muss aber ebenfalls ordentlich in die Tasche greifen. Rund 1,1 Millionen muss er selbst aufbringen, 200 000 Euro davon spendiert das Land, der Rest kommt nach Angaben von TVO-Chef Klaus Lenz aus Eigenmitteln und Spenden – gerade gestern erst überreichten die Montagsturner wieder einen Scheck in Höhe von 1000 Euro.

Lenz geht davon aus, dass die Sportler die neue Halle in der zweiten Jahreshälfte 2016 in Betrieb nehmen können – Flügelschlag eines Schmetterlings, wenn man bedenkt, dass das Projekt seit 2010 in der Diskussion war. Apropos Schmetterling. Der hätte die Sache beinahe zum Kippen gebracht. Aber dann konnte der am Gelände lebende Ameisenbläuling ja umgesiedelt werden.

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